zurück Artikel HomeHome augenauf

 

texte zu marco camenisch

 
Freiheit für Marco Camenisch!
Aufruf zur Demo vom 14. Dez. 02
 

Knastdemo 14. Dezember 02, 13.00 Carparkplatz beim HB Zürich.


Seit Frühjahr 2002 sitzt Marco Camenisch im Hochsicherheitsknast bei Pfäffikon/ZH. Geht es nach Bezirksanwältin Wiederkehr, soll ihm schon bald der Prozess gemacht werden. Rachejustiz, nächste Folge.

 
 

Marco wurde von Italien, wo er gut zehn Jahre im Knast sass, an die Schweiz ausgeliefert. Nun sind seine Haftbedingungen in Pfäffikon schlechter als jene in Italien. Man verweigerte ihm zunächst den Besuch seiner Ehefrau, beschränkte seinen Briefverkehr und liess ihm keine angemessene medizinische Versorgung zukommen. Zudem versuchte man - ohne Erfolg allerdings -, ihm seinen Vertrauensanwalt wegzunehmen.

Im Juni wurde er von der Sicherheits- in die Normalabteilung verlegt. Seine Angehörigen können ihn jetzt besuchen, wenn auch mit Trennscheibe. Nach wie vor ist der Briefverkehr aber eingeschränkt, die medizinische Versorgung verläuft schleppend. Weil die Bezirksanwaltschaft Zürich die Untersuchungen abschliessen will, ist schon bald mit einem Prozess zu rechnen.

Marco Camenisch, geb. 1953, wuchs im kleinbürgerlichen Milieu in Graubünden auf. Das Gymi in Schiers, wo autoritäres Elitedenken und Karrieredünkel vorherrschten, brach er ab. Ebenfalls die Lehre auf dem Plantahof, wos mehr nach Chemie als nach Kuhmist stank. Marco ging auf die Alp, verschaffte sich Freiräume, ihm wurde aber klar, dass an den Zuständen sich solange nichts ändert, bis man sich ihnen stellt. Als Militanter der Anti-AKW-Bewegung nahm Marco Ende der 70er Jahre aktiv an den Kämpfen gegen die hiesige Atommafia teil. Auch in der Schweiz griff die Anti-AKW-Bewegung, falls geboten, durchaus zu direkteren Mitteln: Fällen von Strommasten, Sabotage an Anlagen der Stromindustrie, Aktionen gegen Exponenten der Atommafia.

Im Januar 1980 wurde er zusammen mit einem Genossen verhaftete und nach einem Jahr in U-Haft vom Kantonsgericht Chur für eine Sabotage-Aktion an einem Strommasten der Nordostschweizer Kraftwerke NOK bei Bad Ragaz ungewöhnlich hart zu zehn Jahren Knast verurteilt. Marco verweigerte jegliche Zusammenarbeit mit der Justiz, deren Legitimät er nicht anerkannte. Stattdessen verlas er im Gerichtssaal eine Erklärung, in der er die Aktion als Protest gegen die Umweltzerstörung durch die Stromindustrie in die Perspektive des Kampfs gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung stellte.

 
 

Im Dezember 1981 gelang ihm zusammen mit fünf weiteren Gefangenen die Flucht aus dem Knast bei Regensdorf/ZH. Dabei kam ein Gefängniswärter ums Leben, ein weiterer wurde verletzt, wobei Marco sich nachweislich nicht in der Gruppe befand, aus der geschossen wurde. Nach dem Ausbruch begann für Marco ein zehnjähriges Leben und Kämpfen in der Illegalität. 1989 wurde er von Staatsschutz und Medien für den Tod eines Schweizer Grenzwächters bei Brusio/GR verantwortlich gemacht. Nach einem Schusswechsel mit Carabinieri in der Toscana wurde er im November 1991 verhaftet.

Der italienische Staat verurteilte ihn im April 1993 wegen Körperverletzung und mehreren Sabotage-Aktionen an Strommasten zu zwölf Jahren Knast, die er in permanenter Kleingruppenisolation mit politischen und sozialen Gefangenen in Hochsicherheitsknästen absass. Im April 2002 wurde er an die Schweiz ausgeliefert. Offen sind hier die restlichen acht Jahre für den NOK-Masten. Für den Ausbruch bei Regensdorf und den Tod des Grenzwächters liegen zudem Haftbefehle vor.

Die Solidarität mit Marco Camenisch hat eine lange Geschichte. Daran knüpft seit Frühjahr 2002 eine Vielzahl von Solidaritätsaktionen an: Informationsveranstaltungen, Radiosendungen, Solikonzerte, Knastspaziergänge, Kundgebungen vor Schweizer Botschaften in Italien... Marco hat sich in all den Jahren im Knast nicht von seinen Überzeugungen abbringen lassen. Vielmehr blieb er politisch aktiv. Das Haftregime in Pfäffikon lässt keinen Zweifel offen, um was es geht: angesichts Marcos ungebrochener politischer Identität und seiner Weigerung, mit der Justiz zusammenzuarbeiten, versucht die Zürcher Bezirksanwaltschaft, ihn mit schikanösen Haftbedingungen zu zermürben. Das wird denen nicht gelingen. Es liegt auch an uns, diesem Angriff etwas entgegenzusetzen. Bieten wir den Frechheiten der Bezirksanwältin Wiederkehr die Stirn - Solidarität ist eine Waffe!

 
 

 

Für eine Gesellschaft ohne Knäste!

Unterstützen wir am 14. Dezember lautstark den Kampf von Marco Camenisch!

Freundinnen und Unterstützerlnnen von Marco Camenisch

 

Wichtig: Es ist zu erwarten, dass Marco noch diesen Herbst in einen anderen Knast verlegt wird. Schaut deshalb unbedingt vorher bei ch.indymedia.org, www.aufbau.org und www.freecamenisch.net vorbei.

Externer Link:
http://www.freecamenisch.net/deutsch/

 
  Bilder von der Aktion